SMYRNA // MÜNCHEN. Eine Theater-Séance.

Ein Mann, eine Frau. München, Smyrna. Kleinbürgertum, Upper Class.

Die Liebesgeschichte zwischen der kosmopolitischen Aspa, Tochter einer
reichen levantinischen Familie Smyrnas, und dem Finanzbeamten Wilhelm
aus Haidhausen, die vom Ersten Weltkrieg überschattet wird. 
 
Smyrna // München ist ein Kalaidoskop der Trennung, der Reisen durch
Europa, dem Leben in der Stadt Smyrna mit Griechen, Türken, Armeniern,
Juden, Engländern und Franzosen und dem Weltkrieg, der dort schon
früher angefangen hat.
Von Simone Egger, Karnik Gregorian, Bülent Kullukcu.

 
„Wie hast Du die Feiertage verlebt? Ich war recht fidel, habe 4 
Gläser Sekt getrunken, mehr als 6 Zigaretten geraucht u. 
ungezählte Weingläser getrunken, es waren mehrere junge Herren 
eingeladen und ich musste auch lustig sein, da alle anderen so 
lustig gewesen sind.“ (Aspa an Wilhelm, 27, Dezember 1910)
 
Die Liebesgeschichte zwischen den beiden hat bereits im Januar 
angefangen. Auf dem Neujahrsfest des Turnvereins Jahn in München 
sind sie sich zum ersten Mal begegnet. Aspa stammt aus Smyrna und 
ist alleine nach Bayern gereist. 1911 kehrt sie zurück ins 
Osmanische Reich. Aspa berichtet in über 200 Briefen von ihrem 
Leben in der kosmopolischen Stadt. Als Tochter einer reichen 
levantinischen Familie, mit österreichisch-ungarisch-griechischen 
Wurzeln, spielt sie Tennis mit Briten, unterhält sich mit dem 
türkischen Minister auf französisch, unterrichtet Deutsch, besucht 
ihre türkischen Freundinnen, trifft österreichische Offiziere zum 
Tee, reitet mit ihrem amerikanischen Nachbarn Augustus C. Routh aus 
und lässt beim armenischen Fotografen Bilder von sich machen. 
Wilhelm wohnt in München Haidhausen und arbeitet als Finanzbeamter. 
 
Das Paar will heiraten, doch 1914 beginnt der Erste Weltkrieg. “Die 
Zeit fliegt sehr schnell vorbei, wenn nur der Krieg auf bald mit 
fliegen wollte.“ (Aspa, Januar 1917) 
 
„Vergangene Woche gingen wir zwei Mal ins Theater, ich sende Dir 
die Programme dazu, es war sehr schön, aber es wollte viel besser 
sein, wenn wir zusammen sein könnten.“ (Aspa, 30. April 1918) 
Sie schickt Seife, Zigaretten und Makkaroni ins Deutsche Reich, 
Wilhelm sendet Tennisbälle, Zeitungen und sogar einen Badeanzug 
ins Osmanische Reich.

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